Migräneauslöser – was ich über die Jahre gelernt habe

Wenn man viele Jahre mit Migräne lebt, verbringt man automatisch sehr viel Zeit damit, nach Auslösern zu suchen. Man fragt sich ständig: Was habe ich falsch gemacht? Was hätte ich vermeiden können? Warum heute schon wieder?

Was ich über die Jahre gelernt habe, ist etwas, das am Anfang schwer zu verstehen ist: Es gibt meistens nicht den einen Auslöser.

Migräne ist eine neurologische Erkrankung. Das Gehirn von Migränebetroffenen verarbeitet Reize anders. Das Nervensystem ist empfindlicher, die Reizverarbeitung läuft anders ab. Viele Menschen denken immer noch, Migräne seien „nur Kopfschmerzen”. Aber Migräne ist viel komplexer.

Ich erkläre mir das heute so: Man kann sich das wie ein Fass vorstellen. Dieses Fass füllt sich mit verschiedenen Reizen und Belastungen. Und wenn das Fass irgendwann voll ist und noch ein kleiner Tropfen dazukommt, dann läuft es über – und dann kommt die Migräne. 💧

Dieser letzte Tropfen ist dann vielleicht:

  • laute Musik
  • grelles Licht
  • Stress
  • ein Wetterumschwung
  • schlechter Schlaf
  • Verspannungen
  • ein bestimmter Geruch
  • oder etwas ganz anderes

Und dann denkt man: Das war der Auslöser. Aber in Wirklichkeit war das Fass vorher schon fast voll. Das zu verstehen, hat bei mir sehr lange gedauert.

Meine persönlichen Trigger

Migräne ist sehr individuell. Was bei mir Migräne auslöst, muss bei jemand anderem überhaupt nichts auslösen. Aber über die Jahre habe ich bei mir ein paar Dinge ziemlich klar herausgefunden.

Ganz vorne steht bei mir: Kälte am Kopf. 🥶
Kälte an Stirn, Nacken, Ohren oder Wangen – das ist bei mir fast ein Garant für Migräne. Diese Migräne ist bei mir auch oft besonders schlimm, und die Medikamente brauchen dann sehr lange, bis sie wirken. Deshalb trage ich im Winter fast immer Stirnband, Mütze oder Kapuze.

Im Sommer ist es das Gegenteil: Grelles Sonnenlicht und Hitze am Kopf sind ebenfalls starke Trigger. Ich trage im Sommer fast immer eine Sonnenbrille und oft auch eine Kappe. 🕶️

Weitere Dinge, die bei mir Migräne auslösen können:

  • veränderter Schlafrhythmus (z. B. am Wochenende viel länger schlafen)
  • Nackenverspannungen
  • laute Geräusche
  • starke Gerüche
  • Wetterwechsel und Luftdruckabfall
  • starke Temperaturwechsel

Besonders Wetterwechsel und Luftdruckabfall spüre ich sehr deutlich. Wenn es heute noch kalt ist und morgen plötzlich sehr warm wird, kann ich mich fast darauf einstellen, dass die Migräne kommt.

Die Suche nach dem Auslöser – und das schlechte Gewissen

Was ich auch lernen musste: Man sucht ständig nach dem Auslöser und gibt sich oft selbst die Schuld.

Dann denkt man zum Beispiel: Hätte ich die Schokolade nicht gegessen. Hätte ich früher ins Bett gehen sollen. Hätte ich nicht so lange am Handy sein sollen. Hätte ich mich nicht so aufregen sollen.

Aber Migräne ist keine Strafe für falsches Verhalten. Migräne ist eine neurologische Erkrankung.

Natürlich gibt es Dinge, die Migräne begünstigen können. Ausreichend trinken, regelmäßiger Schlaf, Stress reduzieren – das hilft vielen Menschen. Aber trotzdem bekommt man Migräne. Und das muss man irgendwann akzeptieren.

Ich habe über die Jahre gelernt: Man sollte nicht jeden Migräneanfall komplett analysieren und sich selbst die Schuld geben. Man kann auf sich achten. Man kann versuchen, Trigger zu reduzieren. Aber man kann Migräne nicht komplett kontrollieren.

Was ich heute über Auslöser denke

Wenn ich heute jemandem, der neu Migräne hat, etwas sagen müsste, dann wäre es das:

  • Lerne Deinen Körper kennen.
  • Beobachte, was Dir nicht gut tut.
  • Versuche, extreme Trigger zu vermeiden.
  • Aber gib Dir nicht für jeden Anfall die Schuld.
  • Und suche nicht krampfhaft nach dem einen Auslöser.

Oft ist es nicht der eine Auslöser. Oft ist es ein volles Fass – und ein Tropfen zu viel.

Das zu verstehen, hat mir persönlich sehr geholfen. Denn damit hört man irgendwann auf, ständig gegen sich selbst zu kämpfen.

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