Ich bin Gesundheitssporttrainerin. Und wenn neue Teilnehmer in meine Stunden kommen, denken viele zuerst: Jetzt geht es um Sport.
Um Übungen, Wiederholungen, vielleicht ein bisschen Schwitzen und Muskelkater.
Aber das Erste, was ich sage, ist etwas ganz anderes:
„Schau nicht auf die anderen. Schau auf Dich.”
Und dann noch das:
„Vergleiche Dich nicht mit dem, der neben Dir steht. Vergleiche Dich mit dem, der Du gestern warst.”
Wenn Du nur ein kleines Stück weiterkommst – ein bisschen beweglicher, ein bisschen sicherer, ein bisschen stabiler – dann ist das ein Fortschritt. Und darauf darfst Du stolz sein.
Zugang zum eigenen Körper
In meinen Stunden geht es nicht darum, ein Programm abzuarbeiten.
Mir ist wichtig, dass die Menschen Zugang zu ihrem Körper bekommen.
Meine Präsenzkurse sind deshalb bewusst rund aufgebaut:
Wir beginnen mit einer kleinen Meditation, um im Körper anzukommen. Dann folgt das Training. Und am Ende gibt es immer eine Entspannung.
Ich möchte nicht, dass die Teilnehmer einfach nur Übungen machen – ich möchte, dass sie spüren, was sie tun.
Deshalb machen wir nach vielen Übungen kurze Pausen zum Nachspüren. Manchmal nur zehn oder fünfzehn Sekunden. Aber in dieser Zeit passiert ganz viel.
Ich sage dann zum Beispiel: „Spür mal in den oberen Rücken. Wie fühlt sich das jetzt an, wenn die Spannung langsam nachlässt?”
Oder wir spannen bewusst Muskeln an und lassen wieder los – damit der Unterschied spürbar wird. Denn nur wer seinen Körper spürt, kann auch lernen, auf ihn zu hören.
Nicht immer höher, schneller, weiter
Gerade in meiner Altersgruppe – viele meiner Teilnehmer sind über 50 – geht es nicht mehr darum, immer mehr Leistung zu bringen.
Es geht darum: beweglich zu bleiben. Beweglich zu werden. Den Alltag gut zu meistern. Möglichst lange selbstständig zu bleiben. Schmerzen vorzubeugen.
Das Training geht deshalb oft in Richtung Prävention, manchmal auch schon in Richtung Reha.
Was mir dabei besonders wichtig ist: Die Menschen sollen lernen, sich nicht zu überfordern.
Wir haben alle eine Tagesform. Und die ist nicht jeden Tag gleich.
Wenn man merkt, heute geht es nicht so gut – dann darf man auch weniger machen. Man muss nicht immer alles durchziehen.
Früher war ich selbst jemand, der immer durchgezogen hat. Was auf dem Plan stand, wurde gemacht. Egal wie es mir ging.
Ich musste erst lernen, auf meinen Körper zu hören. Auch durch meine Migräne habe ich gelernt, Prioritäten zu setzen: Was ist heute wirklich wichtig? Und was kann auch warten?
Es geht nicht nur um die Trainingsstunde
Mir ist nicht nur wichtig, was in den anderthalb Stunden mit mir passiert. Mir ist wichtig, was danach passiert.
Wenn Teilnehmer mir erzählen: „Ich mache jetzt im Garten früher Pausen.” Oder: „Ich merke jetzt viel schneller, wenn mein Rücken müde wird.” Oder: „Ich komme wieder besser aus dem Auto.”
Dann weiß ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Denn dann hat sich nicht nur etwas im Training verändert – sondern im Alltag.
Und genau darum geht es eigentlich.
Jeder Körper ist anders
Wenn wir zum Beispiel in eine Grätsche gehen, kommt vielleicht Deine Nachbarin viel weiter runter. Dafür kannst Du vielleicht Deine Arme viel weiter nach hinten bewegen, weil Deine Schultern beweglicher sind.
Es geht nicht darum, wer etwas besser kann. Es geht darum, was sich bei Dir verändert.
Jeder Körper ist anders. Jeder Mensch hat eine andere Geschichte, andere Verletzungen, andere Voraussetzungen.
Deshalb bringt Vergleichen nichts. Spüren bringt etwas.
Bewegung beginnt mit Wahrnehmung
Wenn ich es in einem Satz zusammenfassen müsste:
Bewegung beginnt nicht mit Muskeln. Bewegung beginnt mit Wahrnehmung.
Wer seinen Körper spürt, kann besser auf sich aufpassen. Und wer besser auf sich aufpasst, bleibt oft länger gesund, beweglich und selbstständig.
Und genau das ist das eigentliche Ziel meiner Kurse.